Das Haus

Die Vorgeschichte bis 2009

Schon länger haben wir uns mit dem Thema auseinandergesetzt, uns irgendwann ein Haus zulegen zu wollen. Wir hatten es dabei überhaupt nicht eilig, ausserdem hatten wir spezielle Bedingungen, einerseits wollten wir unbedingt in der aktuellen Gegend bleiben, andererseits wollte ich nicht auf „mein Kellerkino“ verzichten. Ein Haus, dass wir uns im Frühjahr 2008 angeschaut und fast gekauft hätten, hätte in Bezug auf das Kino einige Kompromisse bedeutet, dafür wären die Nachbarn links und rechts bekannt gewesen, was natürlich auch ein riesiger Vorteil ist.

So waren wir weder unter Zugzwang, Zeitdruck oder ähnlichem, als die aktuelle Geschichte begann. Im Nachhinein begann sie irgendwann im Dezember 2008, was wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten. Im Folgenden also die Geschichte in Tagebuchform, einige würden neudeutsch „Blog“ sagen, aber genauer betrachtet ist es der Form nach doch eher ein klassisches Tagebuch.

Dezember 2008

Wir sind bei Arbeitskollegen von Doris in Sissach zum Abendessen eingeladen. Auch mit dabei ist ein Paar, welches Doris auch kennt und dass, wie wir später am Abend herausfinden, zufälligerweise eine Strasse von uns entfernt wohnt. An dem Abend kommt nebenbei unser Anliegen zur Sprache, irgendwann ein Haus in der aktuellen Umgebung erwerben zu wollen.

7./16. Februar 2009

Wir bekommen einen Anruf von dem Paar, in der Nachbarschaft würde eventuell ein Haus frei, wir mögen uns doch bitte beim aktuellen Eigentümer per e-Mail melden um mal eine Besichtigung zu vereinbaren, wenn wir wollen. Ein kurzer Augenschein am nächsten Tag von aussen bringt das Gefühl, dass das eher zu klein sein wird. Aber man weiss ja nie, also vereinbaren wir ein Treffen und schlussendlich, bei der Besichtigung oben im Dachgeschoss angekommen wissen wir beide, „doch, das ist es“.

März/April 2009

Der aktuelle Eigentümer hat das Haus schätzen lassen und lässt uns die Unterlagen und sein Preisvorstellung zukommen. Es ist doch ein bischen teurer als wir gehoffen haben. Ich nehme Kontakt mit unserer Hausbank und zwei weiteren Banken auf, lasse unsere Möglichkeiten analysieren und erste Angebote machen mit der Preisvorstellung des Eigentümers. Es zeigt sich, dass der Termin gut ist – die Zinsen sind aktuell unschlagbar günstig – und der Kauf für uns durchaus machbar ist. Eine Bank findet den Preis eher knapp zu viel, die anderen Banken sind grundsätzlich einverstanden und haben nichts daran auszusetzen. Unsere Hausbank, die auch die Bank des Eigentümers ist und das Haus auch bisher finanziert hat, kennt natürlich uns unbekannte Details und hat ebenfalls keine Bedenken, was beruhigend ist.

22. April 2009

Wir denken über einen möglichen Termin nach und finden die Herbstferien interessant.

Dann treffen wir uns mit dem Eigentümer und werden handelseinig. Er möchte den Verkauf auf Jahresende abwickeln und, da wir uns da flexibel zeigen, kommt er uns mit dem Preis unseren Wünschen entsprechend entgegen. Insgesamt war das ein sehr angenehmes Gespräch, die brutale Nervosität im Vorfeld war unbegründet (immerhin war der letzte Hauskauf genau an dieser Stelle gescheitert).

27. Mai 2009

Zeit, auch mal ganz allgemein über Vorsorge nachzudenken. Wir sitzen mit unserem Versicherungsmann zusammen und lassen uns die vorbereitete Vorsorge und Lückenanalyse machen.

29. Juli 2009

Um 14 Uhr wird auf der Bezirksschreiberei Arlesheim der Kaufvertrag unter den wachsamen Augen der Notarin unterschrieben. Jetzt gibt es kein Zurück mehr!

22.Oktober 2009

Treffen mit unserem Versicherungsmann. Wir unterschreiben die Anträge für die Lebensversicherungen. Ein komisches Gefühl, eine Verpflichtung einzugehen, die sich bis zur Pensionierung auswirken wird. Irgendwie fühle ich mich alt. Die Lebensversicherungen sollen der Bank verpfändet werden, sie dienen der indirekten „Armortisation“, also der Tilgung der Hypothek.

4.Dezember 2009

Wir treffen uns mit unserem neuen Banker – der bisherige Ansprechpartner hat Ende November eine andere Stelle angetreten – und fixieren die Zinsen für die Hypothek. Wenn man keinen Zuschlag zahlen will, geht dies frühestens 30 Tage vor dem Stichtag. Unser Banker erklärt uns, dass er zwar jetzt ein paar Tage Urlaub hat, aber er jetzt sowieso nichts mehr machen kann, das sei jetzt Sache vom Backoffice der Kreditabteilung.

21. Dezember 2009

Immer noch keine Verträge von der Bank zur Unterschrift erhalten. Wir werden nervös und ich rufe bei der Bank an, wohl wissend, dass unser Ansprechpartner diese Woche noch immer in den Ferien ist. Es wird mir mitgeteilt, dass das normal sei, die Kreditabteilung hätte sehr viel zu tun und wir sollen doch noch Geduld haben.

24./25.Dezember 2009

Während der letzten Einkäufe am Heilig Abend, mitten im Supermarkt (es sind 4 einkaufsfreie Tage zu überbrücken) kommt der Anruf vom Verkäufer, er wäre soweit und wir könnten uns am 25. für die Übergabe treffen. Das kommt überraschend, ist schon fast wie ein Weihnachtsgeschenk. Am 25. kreuzen wir, bewaffnet mit Champagner, Gläsern und etwas Gebäck (das Haus ist ja mittlerweile leer) auf, machen die formlose Übergabe und stossen schlussendlich auf das neue Leben für alle Beteiligten an. Es ist ein gutes Gefühl.

26.Dezember 2009

Ich laufe morgens durch das Haus und mache Fotos sowie mit einer kleinen Kompaktkamera Filme von jeder Etage. Hier mal erste Impressionen an einem schönen Dezembertag aus dem ersten Stock in unsere zukünftige Umgebung nach hinten raus:
IMG_27_WIDE

27.Dezember 2009

Der Maler kommt und klebt die Zimmer in der ersten Etage ab. Farbe gibt es leider erst am 5.Januar, der Lieferant macht grosse Weihnachtsferien.

28.Dezember 2009

Ein dramatischer Tag. Ich kontaktiere unseren Banker per E-Mail und er ruft innerhalb von wenigen Minuten zurück. Offenbar ist während seiner Ferien nichts passiert, weil die Lebensversicherungspolicen nicht vorliegen. Niemand hat uns kontaktiert, dass es hier einen „Showstopper“ gibt. Ich schaue in unseren Unterlagen nach, zusammen mit der Rechnung für das laufende Jahr sind auch die Original-Policen bei uns. Der Banker meint, dass das jetzt wirklich eng wird und er nichts versprechen kann. Ich fahre zur Bank und gebe die Policen ab. Wir hören von verschiedenen Stellen, dass das nie reichen wird. Wir sind wirklich entsetzt, da nun die Situation droht, dass der Verkäufer, der uns traut, nun nicht rechtzeitig sein Geld bekommt, was wir als grössere Katastrophe empfinden. Doris möchte am liebsten aufhören mit dem Sortieren und Packen unserer Sachen.

29.Dezember 2009

Anruf von der Bank, wir können zur Unterschrift vorbei kommen. Es scheint doch noch was zu gehen. Jedoch fehlt auch noch die Anpassung des Schuldbriefes beim Grundbuchamt, und hier ist die Bank auf die Gefälligkeit bei der Bezirksschreiberei angewiesen. Wir bekommen versichert, dass das Geld auf jeden Fall mit Valuta 31.12.2009 dem Verkäufer gutgeschrieben wird, aber eventuell erst am 4.Januar effektiv fliesst. Wir sind immer noch nicht wirklich zufrieden, schliesslich könnte der Verkäufer ja für den 4. schon eine grössere Transaktion beispielsweise an seine Kinder veranlasst haben, die dann platzen würde. Der Banker lässt sich von mir die Handynummer des Verkäufers geben und sichert zu, dass er im Fall, dass es nicht pünktlich am 31.12. über die Bühne gehen wird, persönlich mit dem Verkäufer Kontakt aufnehmen und die Schuld auf sich nehmen wird.

30.Dezember 2009

Anruf von der Notarin bei der Bezirksschreiberei. Der neue Schuldbrief muss von uns noch unterschrieben werden. Sie hat uns jetzt bevorzugt behandelt, eigentlich wären noch 20 andere Parteien vor uns dran gewesen und der früheste Termin zur Unterschrift ist der 4.Januar 2010. Auf Rückfrage bestätigt sie auch, dass die Bank vorher nicht zahlen darf. Damit ist die rechtzeitige Zahlung an den Verkäufer vom 31.12.2009 geplatzt und der schlimme Fall ist wie befürchtet eingetreten. Ich telefoniere mit dem Banker und er versichert mir, den Verkäufer anzurufen und mich danach zu informieren. Wir empfinden die Situation mehr als nur peinlich. Wenn es mehr Vorlauf gegeben hätte, hätten wir jetzt noch die Bank gewechselt, aber dazu ist es nun definitiv zu spät. So eine Schlamperei darf einfach nicht passieren.

Der Maler streicht das grosse Zimmer im 1.Stock mit der Farbe, die noch vorrätig war. Diese ist sehr dünn, reicht aber zum Überstreichen über die vorhandene Tapete problemlos.

Ich räume Teile des alten Kellers, im neuen Keller wird ein Regal aufgestellt und Doris Fasnachtslarven sowie der Wein und ein paar andere Kleinigkeiten ziehen schonmal um.

31.Dezember 2009

Stichtag: Rein vom Vertrag her sind wir ab heute Besitzer des Hauses. Nur ist leider die Zahlung ohne unser Verschulden noch nicht erfolgt.

Ich treffe mich mit einem Heizungsspezialisten im Haus. Im Wohnzimmer ist uns ein Heizkörper im Weg und wir wollen wissen, ob man da was machen kann. Ausserdem schaut er sich den Raum im Dach an, der mal unser Schlafzimmer werden soll um auch hier den Aufwand schätzen zu können.

e-Mail von der Bank, der Verkäufer wurde über die Sachlage informiert, er hatte für heute keine Zahlung geplant, was gut ist, da so keine weitere Verpflichtung platzt, aber schön ist es trotzdem nicht.

Übersicht